Die Jägersprache ist im deutschen Sprachraum allgemein gültig. Dazu gibt es oft regionalspezifische Ergänzungen, z. B. im Alpenraum für Murmeltier den Ausdruck „Mankei“ oder „Mungg“ (Deutschschweiz). Die Verwendung und Pflege der Jägersprache dient als Fachsprache der exakten Verständigung von Jägern untereinander. Zusätzlich gehört sie zum jagdlichen Brauchtum. Nichtjägern gegenüber verwendet der rücksichtsvolle Jäger die Jägersprache nicht, um Verständnisprobleme zu vermeiden. Ein Versuch, die Jägersprache zur Abgrenzung von Nichtjägern zu verwenden, wird dem Ansehen der Jäger in der breiten Bevölkerung nicht gerecht. Viele Redewendungen sind schon etliche Jahrhunderte in Gebrauch und seit ihrer Prägung teilweise auch in die Umgangssprache übernommen worden („jemandem eins hinter die Löffel geben“, „wissen, wie der Hase läuft“, „zur Strecke bringen“, „das ist mir durch die Lappen gegangen“).

Die Jägersprache hat ihre Ursprünge zum einen in der präzisen Beschreibung von Naturbeobachtungen und Zeichen des zu erlegenden Wildes als Fachsprache bis heute, zum anderen historisch gesehen in der bewussten Absetzung des Adels vom „gemeinen Volk“ (insbesondere den weniger zur Verklärung neigenden „Bauernjägern“). Eine wesentliche Entwicklung durchlief die Sprache ab dem 12. Jahrhundert als Zunftsprache der Berufsjäger.

A

    •    Aalkrähe: der Kormoran
    •    Aalstrich: dunkler Strich auf dem Rücken von Tieren
    •    Aasjäger: Person, die die Jagd unweidmännisch betreibt
    •    abdecken: das Fell abziehen
    •    abkommen : Trefflage beim Schuss; „Ich bin gut abgekommen“ heißt, der Schuss ging dahin, wo ich ihn hinhaben wollte
    •    Abwurfstange : das abgeworfene Geweih von Cerviden (Geweihträgern)
    •    Affe: Junges des Murmeltiers
    •    anschlagen: bellen des Jagdhundes
    •    Anstand: der Hochsitz
    •    äsen: bei Haarwild: weiden, fressen
    •    Äser : Maul des Haarwildes. Mit dem Äser wird Äsung, d. h. Nahrung, aufgenommen
    •    Äsung : bezeichnet die Nahrung des Wildes. Äsen ist der Vorgang der Nahrungsaufnahme.
    •    aufbaumen : das Setzen oder sich Niederlassen von Wild auf einem erhöhten Platz wie z. B. auf einem Ast. Auch der Jäger, der seinen Hochsitz besteigt, baumt auf
    •    Aufbruch: Eingeweide, Gesamtheit der im Schädel und in den großen Körperhöhlen (Thorax , Abdomen, Becken) gelegenen inneren Organe (WP)
    •    Aufgang: Beginn der Jagdsaison nach der Schonzeit
    •    aufwerfen: plötzliches Anheben des Hauptes z.B. bei Störungen/Geräuschen/Bewegungen zum Lokalisieren derselben
    •    äugen: schauen, gucken, lugen

B

    •    Bache: weibliches ausgewachsenes Wildschwein (Schwarzwild))
    •    Balg: Haut mit Fell von Feldhase und Kaninchen, Rotfuchs und Marder
    •    Basse: Ein starkes, altes, männliches Wildschwein (Keiler)
    •    Bast: Sehr gut durchblutete Schutzhaut über dem im Wachstum befindlichen Geweih oder Gehörn
    •    behost: bei Greifvögeln: befiederte Fänge
    •    Beute : alle getöteten Tiere bei einer Jagd
    •    Blattzeit : Paarungszeit beim Rehwild . Der Name leitet sich von der zu dieser Zeit möglichen Lockjagd durch Pfeifen auf einem Buchenblatt ab.
    •    Blume: Schwanz des Feldhasen oder das Ende der Lunte (Schwanz) beim Rotfuchs
    •    Bockfieber: bezeichnet den gelegentlich auftretenden aufgeregten Gemütszustand eines Jägers kurz vor dem Schuss auf einen Rehbock.
    •    Bruch / Bruchzeichen : Bruchzeichen sind Zeichen, die von Jägern verwendet werden, es handelt sich regelmäßig um belaubte/benadelte Zweige bestimmter Bäume
    •    Brunft / Brunst: Paarungszeit bei einigen Wildtieren, z. B. Rot- und Damwild

D

    •    Decke: Fell von Wildtieren
    •    Dickung: dichtes Unterholz
    •    Dublette: Erlegung von zwei Stück Wild aus der selben Waffe, in unmittelbarer zeitlicher Abfolge. Beispielsweise das Beschießen von zwei gestarteten Tontauben.

E

    •    Einlauf: eine Öffnung in einem Gatter, durch das das Wild zwar herein- aber nicht mehr hinauslaufen kann
    •    Einstand: eine Rückzugsregion oder eine Rückzugsfläche für Wildtiere, die diese zum Schutz oder als Ruheraum aufsuchen
    •    Einstecklauf : ein meist für Jagdwaffen verwendeter Lauf, der in den eigentlichen Lauf der Waffe eingesteckt und verriegelt wird.
    •    erlegen: großes Tier bei der Jagd töten

F

    •    Fähe: weiblicher Fuchs
    •    Fährte: Spur, die ein Tier beim Laufen hinterlässt
    •    Fang: die Schnauze von Raubtieren, auch des Hundes; auch die Füße von Greifvögeln, siehe Fänge
    •    Feder: Rippe des Rotwilds
    •    Federn: Rückenborsten der Wildschweine
    •    Federwild: dazu zählen die dem Jagdrecht unterliegenden Vögel
    •    fegen: das Abreiben des Bastes von den ausgebildeten Geweihen der Hirsche und der Gehörne der Rehböcke an Bäumen und Sträuchern, siehe w:Fegen (Geweih)
    •    Feist: Speck des Haarwilds
    •    Feistzeit : Zeit vor der Brunft , also die Zeit vor der Fortpflanzung, sie dient Rehböcken bzw. Hirschen dazu, sich für die folgende kräfteraubende Zeit Fettreserven zuzulegen

G

    •    Gefege: die haarigen Fasern, die nach dem Fegen des Bastes entstehen
    •    Gehöre: die Ohren des Raubwildes
    •    Gehörn: Das Geweih des Rehwildes wird als Gehörn bezeichnet
    •    Geläut: Bellen der Hunde auf der Jagd
    •    Gescheide (kleines Gescheide, auch Geschlinge): Darm

H

    •    Hinde: weiblicher Hirsch
    •    Hitze: Zeit des Eisprungs  beim weiblichen Jagdhund
    •    Horrido : bei Jägern als Begrüßung, aber auch zur Ehrenbekundung als Hochruf

K

    •    Kalb: Jungtiere von Rotwild , Elch und Damwild von der Geburt bis zum Martinstag oder Ende Dezember des Geburtsjahres
    •    Kammer: Lungenbereich des Haarwildes
    •    Kanzel: Hochsitz
    •    Keiler: männliches ausgewachsenes Wildschwein
    •    Kirrung : Lockfütterung
    •    Kolbenhirsch : Hirsch im Bast
    •    Krickel : das Horn der Gams

L

    •    Lauscher: Ohren beim Schalenwild , ausgenommen beim Schwarzwild
    •    Laut geben: bellen des Jagdhundes
    •    Lecker: Zunge des Schalenwildes

M

    •    Mönch: geweihloser Hirsch

R

    •    Raubzeug: Tiere, die nicht zum Wild zählen und nur mit Genehmigung bejagt werden dürfen
    •    Ratz: der Iltis
    •    Rausche: Paarungszeit des Schwarzwildes
    •    Rauschsynchronisation: Paarungssynchronisation des Schwarzwildes
    •    Riegel: Wildwechsel
    •    Ricke: weibliches Reh
    •    Rose (1): obere rote Umrandung am Kopf des Auerhahn oder Birkhahn
    •    Rose (2): unterer Teil des Hirschgeweihs
    •    Rotwild: Hirsche, Kühe und Kälber des Rothirschs
    •    Rotte : Gruppe (Familie) von Wildschweinen
    •    Rottier: weiblicher Rothirsch
    •    Rudel: Gruppe von Wölfen (Hunden)

S

    •    Sasse: Lager des Hasen
    •    Sau: ein Wildschwein (als Art – speziell als weibliches Tier siehe: Bache)
    •    Saufänger: eine Klinge zum Abfangen (Erstechen) von Schwarzwild, z. B. bei einer Drückjagd
    •    Saufeder: eine zweischneidige Klinge, die auf einem bis zu zwei Meter langen Hartholzstiel montiert und zum Abfangen von Schwarzwild verwendet wird
    •    Schale: die Klauen des wiederkäuenden Haarwildes und des Wildschweins
    •    Schalenwild: Wildarten mit Schalen (Klauen), also wiederkäuendes Haarwild und Wildschweine
    •    Schloss: Bezeichnung des Knorpels im Beckenboden, durch den der Mastdarm des Wildes geht.
    •    Schmalzmann: Dachs, auch Grimbart
    •    Schmelz: Ausscheidungen von Greifvögeln
    •    Schnalle: das äußere weibliche Geschlechtsteil von Hunden, Füchsen, Wölfen u. a.
    •    Schnallen: wenn der Jagdhund (vor allem der Schweißhund) bei der Nachsuche auf angeschossenes Wild von der Leine gelassen wird, um das Wild zur Strecke zu bringen
    •    Schnecke: 1. Horn des Widders, jagdliche Trophäe; 2. Gehäuse der Tritonschnecke vgl. Hirschruf
    •    Schnepfenstrich: Balzflug der Waldschnepfe
    •    Schnitthaar: bei Eintritt des Geschosses in den Wildkörper abgeschnittenes Haar
    •    Schnüren: Gangart bei Rotfuchs, Wolf oder Luchs, bei dem die Läufe in einer Linie genau hintereinander gesetzt werden, im Gegensatz zum Schränken
    •    Schrank vgl. Hirschgerechte Zeichen der seitliche Abstand der Tritte des rechten Laufpaares vom linken in der Schrittfährte
    •    Schürze: beim weiblichen Rehwild helles Haarbüschel über dem weiblichen Geschlechtsteil (Feuchtblatt)
    •    Schützenbruch: Zweig einer gerechten Holzart, die dem Erleger eines Stückes Wild vom Jagdherrn überreicht wird
    •    Schüsseltrieb: geselliges Beisammensein nach beendeter Gesellschaftsjagd
    •    schussfest: ist ein Jagdhund, wenn er bei Abgabe eines Schusses nicht erschrickt
    •    schusshitzig: ist ein Jagdhund, der gleich nach Abgabe eines Schusses ohne Befehl das Wild verfolgen oder nachsuchen möchte
    •    Schwarte: die dicke behaarte Haut bei Dachs und Schwarzwild
    •    Schwarzwild: jagdlicher Oberbegriff für Wildschweine
    •    Schweiß: das Blut des Wildes und des Jagdhundes, sobald es aus dem Tierkörper austritt
    •    Schweißhund: Jagdhund, der darauf spezialisiert ist, krankes , schweißendes Schalenwild im Rahmen der Nachsuche zu suchen, zu finden und zu stellen
    •    Spiel: Gesamtheit der Schwanzfedern beim Birkhahn
    •    Sprengen: Wild mit dem Bauhund aus dem Fuchsbau treiben
    •    Sprengruf: der Kampfschrei eines Platzhirsches, um Nebenbuhler zu vertreiben
    •    spurlaut, vgl. fährtenlaut: beschreibt den auf der Spur oder Fährte des Wildes laut jagenden, also bellenden Jagdhund
    •    Ständer: Beine und Vogelfuß beim Federwild
    •    Stoß: die Gesamtheit der Schwanzfedern eines Greifvogels
    •    Strecke, Jagdstrecke: alle erlegten Tiere einer (Gesellschafts-)Jagd, nach einer festgelegten Ordnung in Reihen ausgelegt („die Strecke legen“, „zur Strecke bringen“)
    •    Strich: regelmäßig eingehaltene Flugbahn von Vögeln („Federwild“) von und zu Rastplätzen oder Nahrungsplätzen, oder bei der Balz, z. B. Schnepfenstrich

T

    •    Teller: Ohren des Schwarzwildes
    •    Terzel: männlicher Greifvogel (Ausnahme: Sprinz für den männlichen Sperber)
    •    Tier: weiblicher Hirsch, je nach Tierart heißt es vollständig Rottier oder Damtier
    •    Träger: der Hals von Schalenwild außer Schwarzwild

U

   •   Überläufer: junges Wildschwein im Alter zwischen 12 und 24 Monaten (ursprünglich: in dem auf die Geburt folgenden Jagdjahr)

 V

    •    verbeißen oder Verbiss: Fraßspuren an Bäumen und Sträuchern
    •    verblatten: den Rehbock bei der Blattjagd vergrämen
    •    vergrämen oder Vergrämung: meist unbeabsichtigtes Verjagen von Wild
    •    verhitzen: die stickige Reifung (Verderben) von geschossenem Wild durch Hitzestau im Kadaver, wenn es nicht rechtzeitig aufgebrochen wird
    •    verhoffen: das Stehenbleiben ziehenden oder äsenden Wildes, z. B. um einen „verdächtigen“ Gegenstand zu betrachten oder ein Geräusch zu orten

W

    •    Waidgerechtigkeit: ethische Regeln, nach denen ein fermer Jäger handeln und jagen soll
    •    Waidloch: After oder auch Enddarm des Wildes oder des Jagdhundes
    •    Waidmannsdank!: Antwort auf ein als Gratulation gedachtes „Waidmannsheil!“
    •    Waidmannsheil!: Traditionelle Begrüßungs-, Verabschiedungs-, oder Gratulationsformel unter Jägern
    •    waidwund: ein Schuss in die Eingeweide (Gescheide)
    •    Wechselwild: Schalenwild, das nicht als Standwild in einem bestimmten Revier oder Gebiet vorhanden ist, sondern aus bestimmten Gründen einwechselt
    •    Wedel: Schwanz bei Hirschartigen (Cerviden)
    •    Welpe: Jungtier von Raubtieren, also prinzipiell auch von Katzen, meist jedoch von Hundeartigen

Z

    •    Zeichnen: Reaktion des Wildes auf den Schuss durch Bewegung und Lautäußerung.
    •    Zerwirken: Zerlegen von Wild zu Wildbret in küchenfertige Teile
    •    Ziemer oder Zimmer: Rückenbraten vom Wildbret von zerlegtem Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwild.