Jagdliches Brauchtum

Vorweg, Brauchtum soll zum Brauchen sein und muss daher als dynamischer Prozess immer wieder den Gegebenheiten angepasst werden; so auch das Verhalten und das Auftreten der Jägerinnen und Jäger.

Jagdmusik

Signale mit dem Jagdhorn zu blasen ist keine Altertümlichkeit. Nicht jeder ist während der Jagd mit Mobiltelefon oder Funkgerät ausgestattet und die jagdlichen Hornsignale sind weit zu hören und werden von Jagdteilnehmern verstanden. Jägerlieder werden vor allem nach dem Schüsseltreiben und zu Jägerabenden gesungen. Weitere Infos gibt es hier.

Jägersprache

Die Jägersprache ist im deutschen Sprachraum allgemein gültig. Dazu gibt es oft regionalspezifische Ergänzungen, z. B. im Alpenraum für Murmeltier den Ausdruck „Mankei“ oder „Mungg“ (Deutschschweiz). Die Verwendung und Pflege der Jägersprache dient als Fachsprache der exakten Verständigung von Jägern untereinander. Zusätzlich gehört sie zum jagdlichen Brauchtum. Nichtjägern gegenüber verwendet der rücksichtsvolle Jäger die Jägersprache nicht, um Verständnisprobleme zu vermeiden. Ein Versuch, die Jägersprache zur Abgrenzung von Nichtjägern zu verwenden, wird dem Ansehen der Jäger in der breiten Bevölkerung nicht gerecht. Viele Redewendungen sind schon etliche Jahrhunderte in Gebrauch und seit ihrer Prägung teilweise auch in die Umgangssprache übernommen worden („jemandem eins hinter die Löffel geben“, „wissen, wie der Hase läuft“, „zur Strecke bringen“, „das ist mir durch die Lappen gegangen“).

Die Jägersprache hat ihre Ursprünge zum einen in der präzisen Beschreibung von Naturbeobachtungen und Zeichen des zu erlegenden Wildes als Fachsprache bis heute, zum anderen historisch gesehen in der bewussten Absetzung des Adels vom „gemeinen Volk“ (insbesondere den weniger zur Verklärung neigenden „Bauernjägern“). Eine wesentliche Entwicklung durchlief die Sprache ab dem 12. Jahrhundert als Zunftsprache der Berufsjäger.

    •    Aasjäger: Person, die die Jagd unweidmännisch betreibt
    •    abdecken: das Fell abziehen
    •    abkommen : Trefflage beim Schuss; „Ich bin gut abgekommen“ heißt, der Schuss ging dahin, wo ich ihn hinhaben wollte
    •    Abwurfstange : das abgeworfene Geweih von Cerviden (Geweihträgern)
    •    Affe: Junges des Murmeltiers
    •    äsen: bei Haarwild: weiden, fressen
    •    Balg: Haut mit Fell von Feldhase und Kaninchen, Rotfuchs und Marder
    •    Basse: Ein starkes, altes, männliches Wildschwein (Keiler)
    •    Bast: Sehr gut durchblutete Schutzhaut über dem im Wachstum befindlichen Geweih oder Gehörn
    •    behost: bei Greifvögeln: befiederte Fänge
    •    Beute : alle getöteten Tiere bei einer Jagd
    •    Feder: Rippe des Rotwilds 
    •    Kirrung : Lockfütterung
    •    Kolbenhirsch : Hirsch im Bast
    •    Schalenwild: Wildarten mit Schalen (Klauen), also wiederkäuendes Haarwild und Wildschweine
    •    Schloss: Bezeichnung des Knorpels im Beckenboden, durch den der Mastdarm des Wildes geht.
    •    Schmalzmann: Dachs, auch Grimbart
    •    Schmelz: Ausscheidungen von Greifvögeln
    •    Schnalle: das äußere weibliche Geschlechtsteil von Hunden, Füchsen, Wölfen u. a.
    •    Schnallen: wenn der Jagdhund (vor allem der Schweißhund) bei der Nachsuche auf angeschossenes Wild von der Leine gelassen wird, um das Wild zur Strecke zu bringen
    •    Schnecke: 1. Horn des Widders, jagdliche Trophäe; 2. Gehäuse der Tritonschnecke vgl. Hirschruf
    •    Schnepfenstrich: Balzflug der Waldschnepfe

Weitere Beispiele gibt es hier.

Jagdliche Bräuche

Nach dem Schuss

Ein Stück Wild soll vom Jäger nicht nur als handwerklich sauber erlegtes Tier angesehen werden, das im rechtlichen Sinn nicht mehr nur als Sache gilt, sondern er soll sich seiner Verantwortung bewusst sein, dass er über Leben entschieden hat und bei der „roten Arbeit“ ein wertvolles Lebensmittel zu versorgen hat. Für das „Aufbrechen“ (ausweiden) des Tieres gibt es auch Brauchtumsvorschriften, die aber heute nur noch da befolgt werden, wo sie nicht aus Gründen der Fleischhygiene zu verwerfen sind. Besonders bei Gesellschaftsjagden nach dem Ende der Jagd entspricht diesem Gedanken der Verantwortung das Legen der Strecke und die folgende Ehrung des Wildes durch die entsprechenden Jagdsignale. Das Wild wird in bestimmter Reihenfolge jeweils auf die rechte Körperseite gelegt und erhält einen Bruch. Zunehmend wird die Strecke nicht mehr im Ganzen gelegt, sondern nur noch symbolisch ein Stück pro Wildart. Der Streckenplatz wird üblicherweise mit Feuern oder Fackeln beleuchtet, alle Jagdbeteiligten sind anwesend. Nach Bekanntgabe, was erlegt wurde, wird jede Tierart mit einem „Totsignal“ auf dem Jagdhorn „verblasen“ und dem Erleger vom Jagdleiter mit „Waidmannsheil“ ein Bruch überreicht. Den Abschluss bilden die Jagdhornsignale „Jagd vorbei“ und „Halali“.

Bruchzeichen

Die Bruchzeichen, soweit sie als Mitteilungsmittel Verwendung finden, werden heute von vielen Jägern durch Trassierbänder (rot-weiße Plastikbänder) ersetzt. Sie in ihrer ursprünglichen Form zu benutzen ist nicht nur brauchtumsgerecht, sondern hat auch Vorteile im Sinne des Umweltschutzes. Wenn der Jagdherr einem erfolgreichen Schützen den Schützenbruch überreicht, wird der Bruch auf dem Hut oder der Klinge des Jagmessers angeboten.

Jägerschlag

Der Jägerschlag kann – in einem entsprechenden Rahmen – bei der Erlegung des 1. Stückes Schalen- oder Flugwild durchgeführt werden. Das erlegte Stück Wild wird auf die rechte Seite mit allen Brüchen (letzter Bissen, Inbesitznahmebruch) auf ein Reisigbett gelegt

Es ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild,
weidmännisch jagt, wie sich´s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!"

Der Jagdherr überreicht dem Schützen den Bruch (auf dem Hut liegend)

 

Dank für Schmuck und Schlag, weidgerecht bleib ich alle Tag.

Der Schütze steckt den Bruch auf die rechte Hutseite und erst jetzt setzt er seinen Hut wieder auf.

Wenn ein Hund für die Nachsuche dabei war, so bekommt auch der Hund einen Bruch in die Halsung gesteckt.
Während der Bruchüberreichung blasen die JHB das entsprechende Signal (Totsignal) für das erlegte Stück.

 Jägerbegräbnis

Als Trauberbruch sollte die Fichte, Zirbe, Latsche oder Tanne ausgewählt werden. Der Trauerbruch wird, wie auch der Fest-, Ehren- und Standesbruch, auf der linken Hutseite getragen. Am Tag des Begräbnisses sammeln sich die Jäger am Einsegnungsort und stecken den Trauerbruch auf den Jägerhut und nehmen an der Aussegnung in der Leichenhalle teil. Danach drücken die Jäger den Hinterbliebenen ihre Anteilnahme aus und sammeln sich an der Spitze des Trauerzuges zum Friedhof/Kirche. Die Jäger gehen im Trauerzug und falls jagdliche Auszeichnungen des Verstorbenen vorhanden sind, kämen diese auf einen Samtpolster an der Spitze der jagdlichen Abordnung. Zwei Jungjäger tragen den Kranz der Jägerschaft im Trauerzug, die ebenfalls an der Spitze des Zuges Aufstellung nehmen. Der Sarg kann von einer Ehrenwache, bestehend aus vier Jägern, begleitet werden. Im Trauerzug gehen die Jäger möglichst im Gleichschritt und bilden vor der Kirche ein Spalier, durch das sich der Trauerzug mit dem Sarg bewegt. Hat der Sarg das Spalier passiert, nehmen die Jäger Aufstellung.

Ist das Leben eines Jägers erloschen, kümmern sich die nächsten Verwandten um den Toten und jemand anderer füttert den Hund, auch wenn zum Beispiel der Tod bei Nacht eintritt, und zwar um zu zeigen, dass der Hund als Helfer und treuer Gefährte auch beim Heimgang seines Herrn keinen Mangel erleiden muss.

JAGD

Förderung der Jagdwirtschaft
und des Naturschutzes

WEITERBILDUNG

Fortbildung zu weidgerechten
Jägern und Hegern

BRAUCHTUM

Erhaltung der weidmännischen
Gebräuche und Jägersprache

HUNDE

Jagdhundezucht und -führung,
sowie deren Prüfung

GESELLIGKEIT

Pflege der Gemeinschaft und
Geselligkeit